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Joachim Puchner – der Mann vor und hinter der Kamera
Perspektive eines Rennfahrers bei einem Ski Weltcuprennen
Sport und Action

Joachim Puchner – der Mann vor und hinter der Kamera

Raus aus dem Starthaus und schon ist man direkt auf der Strecke. Die Kamerafahrt zu Beginn eines Skirennens löst bei mir immer ein Gänsehautfeeling aus und lässt mich voll und ganz ins Renngeschehen einsteigen. Die Bilder, die dort gezeigt werden, lassen erahnen, wie sich ein Rennfahrer auf der Strecke fühlt und mit welchem Tempo er die Piste hinunterrast. Wie diese spannenden Bilder zustande kommen und welchen Aufwand es dafür bedarf, verrät uns der aus St. Johann stammende Ex-Rennfahrer Joachim Puchner, der seit diesem Winter der neue Kamerafahrer im ORF ist.

Perspektive eines Rennfahrers bei einem Ski Weltcuprennen

Da Joachim in seiner „Covid-Blase“ steckt, haben wir uns online zu einem Interview verabredet. Bei dem erfährt ihr auch, was es mit der „Covid-Blase“ im Skirennzirkus auf sich hat.

 

Wie kam es zum Engagement und zur Ablöse von Hans Knauß als ORF-Kamerafahrer?

Joachim Puchner: „Nachdem Hans Knauß am Ende der letzten Saison in Kvitfjell seinen Rückzug als aktiver Kameramann bekannt gab, haben wir (der ORF und ich) uns zusammengesetzt und über die Möglichkeit der neuen Aufgabe gesprochen. Ich war von Anfang an begeistert, dass ich dieses Amt von Hans übernehmen kann und diese doch ehrenvolle Aufgabe ausführen darf. Die Voraussetzungen mit der Pandemie waren ja nicht gerade gut, trotzdem konnte ich in Sölden Mitte Oktober das erste Mal in meiner neuen Funktion an den Start gehen.“

Wie intensiv ist deine Trainingsintensität als Vorbereitung auf die Saison?

„Meine aktive Karriere habe ich vor 3 Jahren beendet. Als Sportler ist man es gewöhnt, seinen Körper so gut es geht und es die Umstände ermöglichen, in Schuss zu halten. Das war auch bei mir nicht anders. Allerdings muss man für diese Herausforderung zusätzliche „Einheiten“ einplanen. Die Belastungen für den Körper sind zum Teil sehr groß und ohne gezielte Vorbereitung würde man ein hohes Risiko eingehen.“

Erfordert die Tätigkeit in etwa dasselbe Training wie das als aktiver Rennläufer?

„Mit dem Trainingspensum eines aktiven Rennläufers ist das natürlich nicht zu vergleichen. Allerdings sollte man schon ein gewisses körperliches Niveau mitbringen, da es sich immerhin bei Abfahrtsläufen und Super-G’s um Risikosportarten handelt. Um brenzlige Situationen, zu denen es auch zwangsläufig als Kamerafahrer immer kommen kann, meistern zu können ist es schon von Vorteil, gut aufgewärmt und trainiert am Start zu stehen. Trotzdem ist es kein Vergleich mit dem Trainingsaufwand in meiner aktiven Zeit.“

Die Vorbereitung darauf läuft gleich ab wie du es als Rennläufer gewohnt warst (Abfahrt Trainingslauf ein Muss, Hangbesichtigung etc.)?

„Ja, grundsätzlich schon, ich mache dabei genauso meine Vorbereitungen – gleich wie die aktiven Sportler. Eine Hangbesichtigung und Trainingsläufe sind unabdingbar für meine Kamerafahrten. Die Einschätzung der Verhältnisse und die zu erwartenden Geschwindigkeiten können nur durch eine professionelle Vorbereitung gemacht werden.“

Perspektive eines Rennfahrers bei einem Ski Weltcuprennen

Werden deine Eindrücke von der Fahrt am Renntag an Trainer/Athleten weitergegeben? Auch an andere Nationen?

„In erster Linie versuche ich Stimmungen und Selbsteinschätzungen von den jeweiligen Strecken von den aktiven Athleten für meine Berichterstattung einzusammeln. Ich spreche da auch ganz konkret mit meinen ehemaligen Kollegen aller Nationen. Interessant sind dabei natürlich die Infos von den Trainingsschnellsten und den TOP Athleten, wie Beat Feuz oder Matthias „Mottl“ Mayer. Dadurch, dass ich mit „normaler“ Skibekleidung über die Strecken gehe, sind meine Geschwindigkeiten naturgemäß geringer als bei den Profis. Trotzdem schauen sich die Läufer und Trainer meine Fahrten an, da ich meistens als erster über die Strecke gehe. Sind zum Beispiel bestimmte Passagen bei mir schon eng oder geht, wie in Kitzbühel der Zielsprung schon sehr weit, wissen die Athleten und Trainer, dass sie diese Stellen mit einer noch höheren Geschwindigkeit absolvieren werden, und es eben dementsprechend zum Aufpassen sein wird. Mit Tipps an meine ehemaligen Kollegen halte ich mich aber sehr zurück.“

Alleine das Befahren der Strecken im alpinen Weltcupzirkus erfordert schon sehr viel Können, dabei auch noch zu kommentieren ist eine zusätzliche Herausforderung. Trainiert man das (kommentieren)?

„Du wirst lachen, vor meinem ersten Einsatz in Sölden war ich am Kitzsteinhorn, um mich wieder an die Rennski zu gewöhnen. Hans Knauß hat alle Strecken und Disziplinen mit den dazugehörigen „Geräten“, sprich Abfahrtsski, Super-G Ski und eben Riesentorlauf- und Slalomski befahren.

Diesen Tipp habe ich natürlich gerne übernommen. Danach habe ich versucht beim Freifahren meine Eindrücke zu kommentieren. Wie es aber der Zufall wollte, traf ich am Kitzsteinhorn Alexandra Meissnitzer (ebenfalls ORF-Co Kommentatorin) und fragte sie dabei um ihre Meinung. Sie riet mir unbedingt dazu, das Kommentieren nur zwischen den Stangen zu üben, Freifahren kommentieren bringt nichts! Und so fragte ich gleich einen ehemaligen Trainer am Kitz, ob ich ein paar dort für Nachwuchsläufer gesteckte Läufe kommentierender Weise trainieren darf.

Am Anfang war es natürlich etwas schwierig, aber wie überall im Leben „wächst man mit der Aufgabe“. Man kann sich natürlich bei gewissen Strecken etwas zurecht legen – trotzdem bin ich gewillt, das Kommentieren aus der Emotion heraus zu erledigen.“

Perspektive eines Rennfahrers bei einem Ski Weltcuprennen

Gibt es Vorgaben von Seiten des ORF?

„Eigentlich nicht – ich spreche mich natürlich mit den ORF-Kommentatoren Oliver Polzer und  Hans Knauß bzw. Armin Assinger ab und lege dabei viel Wert darauf, dass ich authentisch berichte und so meine Erlebnisse und Eindrücke während der Fahrt via TV in die vielen Haushalte der Fernsehzuseher liefere. Gerade am Anfang war es mir natürlich auch wichtig, wie ich dort „ankomme“. Deshalb ist es immer am besten einfach so zu kommentieren wie „einem der Schnabel“ gewachsen ist!“

Darfst du gewisse Dinge (ich meine spezielle Kraftausdrücke) nicht verwenden😊?

„Manchmal ist es in der Emotion durch aus möglich, dass gewisse „Kraftausdrücke“ fallen. Wenn ich aber an einer Stelle zu weit weg bin von der Ideallinie, kann es auch schon mal passieren, dass gewisse Wörter, die normalerweise nicht im TV zu hören sind, fallen.

Wenn das von oben bis unten passieren würde, wäre das natürlich kontraproduktiv – da gilt einfach das Prinzip „die Dosis macht das Gift“.“

In Kitzbühel warst du ca. 10/15 sec. hinter der Bestzeit – fährst du dabei auch „Kampflinie“?

„Meine Aufgabe besteht in erster Linie darin den Zuschauern ein Bild von der Strecke und den aktuellen Verhältnissen zu übermitteln. Es ist nicht mein Ziel, und kann es auch gar nicht sein, so knapp wie möglich an die Zeiten der Spitzenläufer heranzufahren. Trotzdem versuche ich natürlich die optimalste und für mich schnellste Linie zu finden, bei den Sprüngen kompakt zu bleiben, dabei noch interessante Eindrücke live wiederzugeben und so annähernd im Rennmodus die Strecken zu bewältigen.“

Stört dich die technische Ausstattung  – oder hast du dabei Einschränkungen beim Fahren?

„Damit habe ich überhaupt kein Problem und die Helmkamera schränkt mich in meinem Tun in keinster Weise ein. Früher ist Hans Knauß mit einer Handkamera gefahren – da bin ich jetzt schon froh, dass diese am Helm fixiert ist und ich so mit 2 Stöcken fahren kann.“

Wie lange kann ein trainierter Sportler diese anstrengende Tätigkeit ausführen – bis zu welchem Alter?

„Das ist eine gute Frage und sicher für jeden Sportler individuell zu betrachten. Ein Hannes Reichelt und der Franzose Johann Clarey sind beide über 40 und fahren noch mit den Schnellsten um die Wette. Die Belastungen in diesem Spitzensportsegment sind aber schon enorm und viel spielt sich

da auch im mentalen Bereich ab. Bin ich als Sportler noch bereit, und das gilt auch schon in der Saisonvorbereitung, alles und noch mehr zu geben um diese Strapazen auf mich zu nehmen. Mit zunehmendem Alter kommt zwar die Routine und Erfahrung hinzu, trotzdem muss man „die PS“ auf die Strecke bekommen.

Das Material und die Streckenpräparierung verlangen einem schon als jungem Sportler sehr viel an Kondition und Kraft und das wird halt auch im Alter nicht anders. Wenn man da nicht am Ball bleibt, kann es sein, dass es dann mitunter auch gefährlich wird – gerade in den Speed Disziplinen. Da ist es dann sicher eine kluge – zwar nicht immer einfache – Entscheidung, sich ein anderes Betätigungsfeld zu suchen.“

Du bist wahrscheinlich auch in einer Art „Blase“ wegen der Covid Vorkehrungen?

„Grundsätzlich genießen wir in der aktuellen Zeit ein außerordentliches Privileg. Wir dürfen unserem Sport auf internationalen Bühnen nachgehen. Vielen Berufsgruppen ist dies momentan nicht möglich. Aber grundsätzlich verfolgen die FIS und auch der ÖSV ein rigoroses Sicherheitskonzept,

das sich sehr bewährt hat und bis dato keinerlei größere Vorfälle zu verzeichnen waren. Wir bewegen uns in eingeteilten „Blasen“ und stehen unter ständiger Testpflicht und Kontrollen. Zum Beispiel ist Kitzbühel in einem „normalen“ Jahr für seine Side Events bekannt. Dieses Jahr war um 19.00 Uhr für alle Sperrstunde und dies wird auch zu 100% eingehalten. Zusätzlich gelten überall die lokalen Bestimmungen und wir alle hoffen, dass wir diese Saison noch ohne Vorfall zu Ende bringen.“

Abschließend – dein nächster Einsatz?

„Die Ski-WM in Cortina war ein echtes Highlight für mich, nun konzentriere ich mich aber schon wieder auf die nächsten Weltcuprennen!“

 

Joachim vielen Dank für deine Zeit und ich wünsche dir alles Gute und noch viele, viele TV-Auftritte!

Bildnachweis: Tourismusverband St. Johann in Salzburg


Bin im Grunde genommen ein ganz normaler Hannes und viel und gerne auf den für unsere Gegend passenden sportlichen Geräten und Utensilien (Ski, Langlaufski, Mountainbike, Rennrad, Lauf- Wander- u. Bergschuhen, neu – SUP, etc.) unterwegs. Bevorzugte Jahreszeit – ganzjährig!

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