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Der Gerzkopf – Tiefschwarze Lacken am Grünen Berg
Wandern am Gerzkopf in Eben im Pongau
Die schönsten Gipfel

Der Gerzkopf – Tiefschwarze Lacken am Grünen Berg

Der Gerzkopf ist ein absolutes Naturjuwel und weit über die Grenzen des SalzburgerLandes hinaus als der ‚Grüne Berg’ bekannt. Aufgrund seiner einzigartigen Flora und Fauna, zu der auch das Gerzkopfmoor und der bis zum Gipfel reichende Latschengürtel gehört, wurde der Berg 2006 zum Natur- und Europaschutzgebiet erklärt und steht unter besonderem Naturschutz. Als einer der ‚7 schönsten Gipfel der Salzburger Sportwelt’ ist er ein besonders beliebter Wander- und Ausflugsberg, der nur zu Fuß erreicht werden kann. Das Panorama am Gipfel entschädigt jedoch allemal für die Strapazen und kann gut und gern als fantastisch bezeichnet werden. Auf zum Gipfel des Gerzkopfes …

Wandern am Gerzkopf in Eben im Pongau

Woher kommt eigentlich dieses Glockenläuten? Seit ich vor gut einer Stunde mein Auto am Schattbachwinkel beim Knappbauern auf 1.130 Metern zurückgelassen habe und mich auf den Weg Richtung Gipfel gemacht habe, höre ich es immer wieder. In völlig unregelmäßigen Abständen. Mal mehrere Male hintereinander, dann wieder 20 Minuten Stille. Na ja, ist ja auch nicht so wichtig. Schön klingt es ja allemal. Zum Eingehen führte mich der Weg auf den Gerzkopf erst einmal auf einer Forststraße durch dichten, herrlich-schattigen Wald leicht bergauf. Das Rauschen des Baches war mein anfänglicher Begleiter und trug das seine dazu bei, dass ich schnell wieder in bester Wanderlaune war. Nach dem Roßbrand steht jetzt der nächste der ‚7 schönsten Gipfel der Salzburger Sportwelt’ auf dem Programm und ich freue mich darauf, was mich hier und heute erwartet. Nach rund einem Kilometer bog ich auf einen gut angelegten Wandersteig ab und so wandere ich seither durch diesen urtümlich, ja fast schon märchenhaften Fichtenwald. Der 1.728 Meter hohe Gerzkopf liegt in den Fitztaler Bergen und sein Gipfel zählt zu den Filzmooser Kraftorten. Durch die besonders reiche alpenländische Flora und Fauna wurde er bereits 2006 zum Natur- und Europaschutzgebiet erklärt. Der ‚grüne Berg’ kann von drei Seiten erklommen werden, von denen ich mir heute die Tour aus Eben ausgesucht habe. Nach rund einer Stunde erreiche ich eine Weggabelung und gleichzeitig die Kammhöhe. Ich biege nach links ab und wandere munter weiter. Der Wald lichtet sich und immer öfter blinzeln der Dachstein, die Bischofsmütze und der Gosaukamm durch die Zweige der Bäume. Was für eine herrliche Aussicht muss man erst von ganz oben haben. Halt! Da läutet die Glocke ja schon wieder. Diesmal eindeutig lauter und auch näher…

Wandern am Gerzkopf in Eben im Pongau

Die Gerzkopfmoore am Grünen Berg

Nach einer weiteren Stunde erreiche ich schließlich die Waldgrenze und marschiere über eine saftige Almwiese dahin. Zu meiner Linken kann ich schon das Latschenfeld ausmachen, das den Gerzkopf bis hinauf zum Gipfel eindeckt und das ihn auch so besonders macht. Der Hohlweg gabelt sich jetzt ein weiteres Mal und ich nehme wieder die linke Richtung. Rechts, etwas unterhalb, sieht man schon die gemütliche Schäferhütte, die von Juni bis September bewirtschaftet ist und in der man eine herrliche Brettljause bekommen soll. Am Rückweg werde ich mich davon auf jeden Fall überzeugen. Jetzt steht aber erst einmal der Gipfelsturm auf dem Programm. Der Hohlweg durch die dichten Latschen ist nun deutlich steiler. Nach einem kurzen Anstieg überquere ich noch eine letzte Kuppe und dann liegen sie auch schon in all ihrer Pracht vor mir, die Gerzkopfmoore. Als einzigartiges Naturjuwel und Lebensraum zahlloser Insekten hat es einen außerordentlich hohen ökologischen Wert, der besonderen Schutzes bedarf. Denn generell gelten intakte Hochmoore wie dieses hier als gefährdet und selten. In den prächtigen, tiefschwarzen Lacken spiegelt sich die umliegende Bergwelt, wie ich es noch nie gesehen habe. Ich lege meinen Rucksack ins Gras, schieße ein paar Fotos und lasse die Schönheit des Ortes und des Augenblicks auf mich wirken. An den Ufern der Moortümpel wachsen Unmengen von Zwergsträuchern, Kräutern und Gräsern und liefern einen bunten Konterpunkt zum Schwarz des Wassers. Ebenfalls typisch für Moore dieser Art sind die weißen Köpfchen des Wollgrases, die ich besonders hübsch finde. Woher ich das alles weiß? Ganz einfach, der nette Herr, den ich gerade getroffen habe, lässt mich an seinem Wissen teilhaben und zieht mich damit völlig in seinen Bann. Unglaublich, was man alles über die Natur wissen kann und welche Pflanzen man hier in den Bergen findet. Wenn man nur weiß, wo man schauen muss.

Nach einiger Zeit verabschieden wir uns und machen uns wieder auf den Weg. Er zurück ins Tal und ich jetzt endlich hinauf zum Gipfel. Weit kann es ja jetzt nicht mehr sein. Da. Glockenläuten. Und zwar ziemlich laut!

Wandern am Gerzkopf in Eben im Pongau

Das Läuten der Glocke

Der Duft der Latschen begleitet mich auf den letzten Metern hinauf zur Spitze, die meisten Kurven des Weges liegen bereits hinter mir und wie aus dem Nichts steht sie plötzlich vor mir: die große Glocke am Gerzkopf. Direkt neben dem Gipfelkreuz. Jetzt ist also auch dieses Rätsel gelöst. War sie früher dafür gedacht, die vielen Schafe, die bis heute den Sommer über hier am Berg leben, zusammenzurufen, so hat es sich in den vergangenen Jahren eingebürgert, dass jeder Wanderer, der den Gipfel erreicht, einmal läutet. Ein wunderschöner Brauch und natürlich ziehe auch ich jetzt erst einmal kräftig an dem dicken Tau, woraufhin der mir schon bekannte sonore und eiserne Klang ertönt. Ich bin meinem Ziel, die ‚7 schönsten Gipfel der Salzburger Sportwelt’ zu besteigen, wieder einen Schritt näher. Jetzt fehlen dann nur noch zwei. Der Gipfel ist sehr weitläufig. Auf den Bänken sitzen einige Wanderer und genießen die Sonne, während sie ihre mitgebrachte Jause verzehren. Ich nehme einen Schluck von dem mitgebrachten Wasser, ziehe die Wanderschuhe aus und laufe ein bisschen barfuß über das warme Gras des Gipfels. Ich genieße das 360 Grad Panorama auf Gosaukamm, Dachstein, Bischofsmütze und das Tennengebirge und mache in der Ferne sogar die Hohen Tauern aus. Unfassbar, die stille und erhabene Schönheit der hiesigen Bergwelt. Schön langsam bekomme auch ich ein bisschen Hunger und so dauert es nicht allzu lange und ich mache mich wieder auf den Rückweg. Nächstes Ziel: Die Schäferhütte.

Wandern am Gerzkopf in Eben im Pongau
Wandern am Gerzkopf in Eben im Pongau

Mit freudigem Gebell werde ich von der jungen Hündin der Schäferin bereits vor der Hütte begrüßt und ich setze mich zu einigen anderen Wanderern an einen schattigen Tisch. Und tatsächlich: Die Brettljause ist wirklich herrlich und ich lasse sie mir in vollen Zügen schmecken. Rund 400 Schafe gehören heute noch zur gemütlichen Alm, die in der 130 Hektar großen Gipfelregion bis zu Ruperti, dem traditionellen Tag des Almabtriebs, leben. Winkend verabschiede ich mich von den netten Bergkameraden und marschiere los. Und morgen? Da wartet der Lackenkogel.

Was ich vom Gerzkopf mitnehme:

  • Glockenläuten wirkt wohl auch auf Schafe einladend
  • In der schwarzen Lacke am Gerzkopf ist der Sage nach ein goldener Wagen versteckt
  • Ich habe ihn leider nicht gefunden
  • Beim Zuhören lernt man. Nicht beim Reden

Infos & Tipps:

Gehzeit: ca. 3 Stunden
Ausgangspunkt: Eben im Pongau
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Ausgesetzte Stellen: nein
Route: Beschreibung der Tour

Bildnachweis: Peter Zeitlhofer


Von Neugier getrieben‘ – diese Worte kommen mir schon ziemlich nahe. Egal ob am Segelboot, im Tiefschnee, unterwegs in Stadt und Land, oder auf einer seinen vielen Reisen – ich bin immer auf der Suche nach Neuem, nach dem Besonderen, probiere so ziemlich alles aus und liebe es, darüber zu sprechen und zu berichten.

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