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Portraits

Mit dem Nachtwächter auf den Spuren der Geschichte – Radstadt lädt zu einem historischen Rundgang

Radstadt atmet Geschichte! – Vielerorts begegnet man den Zeugen längst vergangener Tage, sei es bei einem Rundgang um die historische Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert oder an den 3 Wehrtürmen (16. Jhdt.) – überall ist Historie spürbar. Immerhin erhielt Radstadt schon im Jahre 1289 das Stadtrecht und ist somit nach der Stadt Salzburg die älteste Stadt im Salzburger Land. Also wollen wir bei einem Rundgang mit dem „Radstädter Nachtwächter“ etwas tiefer in die Geschichte der „Alten Stadt im Gebirge“ eintauchen.

Als wir kurz vor 20.00 Uhr am Teichturm beim Stadtteich – das Relikt eines Wehrgraben, der sich ursprünglich um die Nordhälfte der Stadt gezogen hat – eintreffen, hat sich schon eine illustre Schar an Interessierten eingefunden. Zwei Weisenbläser heißen uns musikalisch willkommen, bevor  uns Dieter Pflüger, der Radstädter Nachtwächter, in alter Tracht mit Hellebarde und Laterne begrüßt. Der ehemalige Professor gibt uns eine kurze Einführung zur Stadtgeschichte, bevor wir zum Rundgang entlang der Stadtmauer starten. Man merkt gleich, dass er begeisterter Radstädter ist und über großes Wissen verfügt. Gleich am Anfang passieren wir den kuriosen „Radstädter Radgarten“, wo nicht alltägliche Räder zu bestaunen sind. So gibt es den Eiffelturm auf Rädern, eine riesengroße Hochzeitsrikscha oder ein Fußball-Fahrrad. Schöpfer dieser kuriosen Gefährte ist übrigens Didi Senft, der vielen Radsportfreunden als Tourteufel von der Tour de France oder vom Giro d´Italia bekannt ist. Und wo wäre der Standort für diese Gefährte besser als in RADstadt?! Wenige Schritte weiter bestaunen wir erstmals die mächtige Stadtmauer an der Nordflanke und dahinter ragt der hohe Turm der Stadtpfarrkiche aus dem 14. Jahrhundert in den Himmel. Nach weiteren 100 Metern heißen uns die Musikanten zum 2. Mal willkommen, bevor es in die „Alte Schmiede“ geht, wo uns Schmiedemeister Georg Scheibner in die Kunst dieses Handwerks einführt. Noch heute erzeugt er auf traditionelle Weise Grabkreuze, Stiegengeländer oder andere kleine Kunstwerke. Wie uns der Nachtwächter dazu erzählt, ist dies das einzige Haus, welches zwar zur Innenstadt gehört, sich jedoch außerhalb der Stadtmauer befindet. Der Grund dafür waren fünf große Stadtbrände und durch das Aussiedeln der Schmiede, in der ja mit offenem Feuer hantiert wird, sollten weitere Feuersbrünste verhindert werden. Gleich 50 Meter weiter erwartet uns das nächste Highlight. Der Nachtwächter führt uns in den „Kapuzinerturm“, einem der 3 Stadttürme von Radstadt. Er erklärt uns, dass diese Türme nach den Bauernkriegen 1525/26 von den besiegten Bauern zur Strafe erbaut werden mussten. Heute dient das Gebäude als Museum mit dem Schwerpunkt „Bauernkriege“. Ganz oben im Turm angekommen, sehen wir das Prunkstück, den 500 Jahren alten und original erhaltenen Dachstuhl, ein Zeuge früherer Handwerkskunst. Den Namen hat der Turm übrigens vom angrenzenden ehemaligen Kapuzinerkloster, welches bis 1978 diesem Orden als Heimat diente.

Weiter geht’s zum „Steirertor“ am ehemaligen Stadttor, wo uns ein aus dem Gebäude ragender Vorsprung samt zwei Wappen von Radstadt und aus der k. & k. Monarchie ein weiteres Rätsel aufgibt. Nachtwächter Dieter erklärt uns, dass dies eine sogenannte „Pechnase“ sei, aus der heißes Pech auf Feinde geschüttet wurde, welche gewaltsam in die Stadt eindringen wollten. Ob aus dieser Pechnase jemals ein Tropfen dieser heißen Flüssigkeit gegossen wurde, sei aber eher zu bezweifeln. Wir setzen den Weg Richtung Innenstadt fort. Diese wird übrigens zurzeit zu einer Begegnungszone umgestaltet und die Pflasterarbeiten sind schon weit fortgeschritten – sicher ein weiteres Plus des Ortes. Wir bestaunen die frisch renovierten Bürgerhäuser wie z. B. das Stegerbräu, ein 600 Jahre alter Gasthof. Dann geht´s zum Südteil der Stadtmauer mit Blick auf die Radstädter Tauern, wo schon vor 2000 Jahren die Römer den Alpenhauptkamm Richtung Norden überquerten. Davon zeugen noch heute einige 2 Meter hohe Meilensteine neben der Straße über den Tauernpass.

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Wir setzen den Weg fort und gelangen auf den Stadtplatz, wo uns die Weisenbläser ein letztes Mal empfangen und von Nachtwächter Dieter erfahren wir weitere interessante Informationen über die Innenstadt. Schließlich geht es noch zur Stadtpfarrkirche, welche im Jahre 1314 an dieser Stelle errichtet wurde. Nachdem die Kirche im Laufe der Jahrhunderte mehreren Bränden zum Opfer gefallen ist, präsentiert sich das Gotteshaus heute als gelungenes Beispiel einer Mischung zwischen Gotik und romanischem Stil. Überrascht werden wir von Klängen aus der Kirchenorgel, ein weiteres Highlight des Rundgangs. Im angefügten Friedhof bewundern wir noch den „Schusterturm“, eine spätgotische Lichtsäule aus dem Jahr 1513 und eines der wenigen Bauwerke, welches von den Stadtbränden verschont blieb. Danach kehren wir wieder zu unserem Ausgangspunkt am Stadtteich zurück, wo dieser interessante und kurzweilige Rundgang seinen Abschluss findet. Wir verabschieden uns vom Nachtwächter und wissen nun einiges mehr über die historische Bedeutung von Radstadt, das uns spannend nähergebracht wurde.
Übrigens: Rund um die Stadtmauer führt auch der sogenannte „Millenniumspfad“, der auf 33 Tafeln ausführlich über die Geschichte von Radstadt, des Landes Salzburg und Österreichs informiert.

Nähere Infos:

Nächste Termine für den Rundgang mit dem „Radstädter Nachtwächter“:

9 Jänner,  23. Jänner , 6. Februar, 20. Februar 2019 jeweils um 18.00 Uhr
6. März, 28. März 2019 (Achtung: Donnerstag) jeweils 20.00 Uhr 

Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung ist nicht erforderlich!

Weitere Infos gibts hier.

Bildnachweis: Lorenz Masser, Gudrun Pflüger, TVB Radstadt


In einer der schönsten Gegenden der Welt zu leben, das hat schon was für sich!
 Schon in der Kindheit war die Gegend um meine Heimatstadt Radstadt für mich
ein einziger großer Spielplatz. Heute finde ich dort Ausgleich, Ruhe und Entspannung
und die Faszination der Berge ist ungebrochen.
Gerne bringe ich meine Erlebnisse zu Papier, um damit auch andere teilhaben zu lassen.

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